WDR-Doku: Gründe für Bombardierung Jugoslawiens von deutschen Medien und Regierung erlogen

„Erich Rathfelder hat in der taz anfangs August 1998 behauptet, Serben hätten in Orahovac ein Massaker angerichtet und dabei 567 Menschen ermordet, davon 430 Kinder. Was für eine Horrormeldung! Wer würde da nicht empört Konsequenzen fordern. Das Problem war nur, dass die Nachricht nicht stimmte. Dafür hat Rathfelder 1998 auch eine Rüge des österreichischen Presserates erhalten. Das besonders Perfide an der Orahovac-Geschichte war, dass kurz zuvor in Klecka, Glodjane und Ratis Massengräber mit insgesamt 47 ermordeten Serben gefunden worden waren, was prozentuell hochgerechnet auf die ethnische Verteilung fast der erfundenen Rathfelder-Zahl entspricht. Anstatt über die echten Massaker der UÇK zu berichten, beherrschte allerdings Desinformation die Titelseiten.

Ganz anders die Reaktion der deutschen Medien auf den Tod von 45 Albanern in Račak Mitte Januar 1999. Dort wurde nicht nur auf der Titelseite darüber berichtet, man übernahm auch unkritisch die bis heute nicht verifizierte These, dass es sich um ein Massaker handele. Zu dem Zeitpunkt hatte es noch nicht einmal eine Untersuchung der Todesfälle gegeben, nur der US-amerikanische Leiter der KVM-Mission in Kosovo, William Walker, hatte den Begriff verwendet. Doch nicht genug damit, dass hier Walkers Version übernommen wurde – man hätte zumindest von einem mutmaßlichen Massaker sprechen müssen -, die meisten Medien verknüpften damit auch gleich noch eine Handlungsaufforderung an die NATO nach dem Motto: Jetzt haben wir lange genug zugesehen, nun ist es Zeit, die „serbische Mordmaschinerie“ zu stoppen.“

Auszug aus dem Interview der Nachdenkseiten mit dem Historiker und Konfliktforscher Kurt Gritsch:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=33128

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