Nikolai Starikov kritisiert die russische Regierung für ihren prowestlichen wirtschaftspolitischen Kurs

Nikolai Starikov, einer der führenden Geopolitik-Analytiker in Russland über die wichtigsten Veränderungen in Russland im letzten Jahr sowie über die prowestliche Wirtschaftspolitik der russischen Regierung.

Videotranskription:

„Starikov: Auch ich würde gerne mitteilen was mir aus dem vergangenen Jahr besonders in Erinnerung haften geblieben ist.
(…)
Ab 2014 prägt die russische Armee sehr stark meine Erinnerungen. Sowohl 2014 als auch 2015 war die russische Armee in unserem Bewusstsein sehr präsent. Und ich hoffe dass diese Präsenz = Achtung vor unserer Armee in den nächsten Jahren noch stärker sein wird. Das Zweite das ich anmerken möchte: man schickt uns ständig Einladungen auf einen Krieg. Und 2015 war ein Jahr das voller solcher Einladungen war. Zunächst schickte man uns die Einladung nach Syrien. Hat nicht geklappt, wir haben sie nicht angenommen. Einladung in die Ukraine wurde uns zugeschickt – wurde auch nicht angenommen. Dann wurden wir wieder nach Syrien eingeladen. Dann wieder in die Ukraine. Und das wird ewig anhalten. Deshalb möchte ich die Ausgewogenheit und die Weisheit der Führung Russlands hervorheben, die es versteht, dass man uns ständig in einen Krieg hineinzuziehen versucht. Und wir, dies verstehend, gestalten unsere Politik so, dass wir in Zukunft solche Einladungen nicht mehr bekommen.

Solowjow (Moderator): Sie meinen die Entsendung von Bodentruppen?

Starikov: Ja natürlich.

Des weiteren sagten die Kollegen, dass das Jahr nicht einfach war. Tatsächlich war das Jahr nicht einfach. Möchte aber die Frage stellen: wann es in der Geschichte Russlands einfache vergangene Jahre gab? Ich habe zugehört und mir überlegt – vielleicht Anfang der 80er? Vielleicht ja. Vielleicht waren die Jahre da einfach. Danach fing jedoch die Perestroika an und von da an waren alle Jahre nicht einfach. Deshalb davon zu sprechen, dass irgendein Jahr in der Geschichte Russlands mal einfach war… solch ein Jahr werden wir wahrscheinlich nicht finden. Wir haben nun mal so ein großes Land und solch große Anzahl an Bodenschätzen und ein fleißiges Volk. Sodass all das unsere Nachbarn und auch welche von weit weg begehren. Sie möchten alle ein Stück vom Kuchen. Von daher auch die kontinuierlichen Angriffe auf Russland seitens verschiedener Staaten. Die gesamte Geschichte hindurch haben wir unser Territorium verteidigt.

Die nächste These die ich aufstellen möchte, die Kollegen sprachen heute viel davon, ist über den Erfolg Russlands. Wenn man uns erzählen möchte, dass Russland irgendwie keine richtige Staatsform hat, dass es irgendwas falsch macht, möchte ich fragen: habt ihr denn jemals die russische Karte betrachtet? Wie kann man ständig etwas falsch machend, das größte Land der Welt schaffen? Also waren unsere Handlungen richtig. Wir haben uns verteidigt, haben Feinde in die Flucht geschlagen, fanden Freunde, haben unser Territorium ausgeweitet – haben alle Aufgaben gelöst die wir uns gestellt haben. Ich bin mir sicher, dass wir auch die heute vor uns stehenden Aufgaben lösen werden.

Es gibt jedoch ebenfalls einen großen Minus der mir im vergangenen Jahr in Erinnerung haften geblieben ist. Das wäre unsere „liberale“ Wirtschafts-Politik die von der Regierung durchgeführt wird. Und zum heutigen Tage sehe ich immer mehr Widersprüche zwischen dem was im Innern Russland passiert, d.h. die Fortsetzung der liberalen Wirtschaft in der wir in Bezug auf die USA nur eine untergeordnete Rolle spielen und der absolut richtigen, unabhängigen Außenpolitik bei der wir wunderbar unsere Interessen verteidigen. Deshalb möchte ich mir vom Herzen wünschen, dass im nächsten Jahr große Veränderungen am liberalen Kurs, denn die Regierung bis heute fortführt, gemacht werden.

(…)

Der Staat muss die Wirtschaft nicht nur einfach regulieren, sondern deren aktiver Teilnehmer sein. Erst recht in einem derart großen Wirtschaftsraum wie unserem Land. Zweitens, erinnern wir uns an unsere eigene Erfahrungen. Wir haben soeben über verschiedene Formen der Mobilisierung gesprochen. Als Peter der Große Fabriken baute und die Aufgabe erteilte im Ural Fabriken zu bauen – hat er da auf eine unsichtbare, den Markt regulierende Hand gewartet? Denn damals hatten wir Kapitalismus. Oder hat er erst selbst die Entscheidung getroffen, dass eine Fabrik entstehen muss und rief dann einen Untertannen, dem er dann befahl diese Fabrik zu bauen und ihm alles hierfür notwendige zur Verfügung stellte? Rief dann einen weiteren und noch einen und es entstanden bei uns eigene Fabriken, eigene Waffen, vieles ist so neu entstanden.

Und diese Politik wurde auch von den folgenden Zaren fortgesetzt. Das ist doch unsere eigene Erfahrung! Was soll dieses Gequatsche, dass das nicht zu uns passen würde?! Das gehört zu uns, ist Überlieferung unserer Vorfahren. Lassen sie mich bitte ausreden, ich bin noch nicht fertig. Ich spreche davon, dass wir unsere eigenen Erfahrungen einbringen sollten. Wir hatten mehrere Industrialisierungen und die Erfahrungen damit müssen berücksichtigt werden. Das wäre zweitens.

Drittens zum Thema des nächsten Jahres. Der geopolitische Kampf wird heute auf verschiedenen Fronten um unser Land herum geführt. In diesem Fall meine ich Fronten in Anführungszeichen natürlich. Auch wenn wir heute an manchen Stellen mit Luftstreitkräften ohne Anführungszeichen kämpfen. Unsere geopolitischen Feinde setzen in diesem geopolitischen Spiel darauf das wir uns erschöpfen. Die wollen unsere Wirtschaft sprengen. Diese Schwierigkeiten in der Wirtschaft in einen politischen Protest transformieren und im Weiteren in Russland ein Auswechseln der Staatsführung herbeiführen, die nach deren Verständnis, was richtig und was falsch ist, handelt. Die verheimlichen das nicht. Die Amerikaner sprechen offen darüber. Chodorkowskij ebenfalls. Was müssen wir dem gegenüberstellen? Die Weisheit unseres Volkes. Wir müssen verstehen, wer von großen Erschütterung unseres Landes profitiert. „Ihr benötigt große Erschütterungen. Wir jedoch benötigen ein großes Russland“ wie einst Michail Staduchin sagte.“

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