Doping in der BRD: vertuscht, verheimlicht und verschwiegen

Hier eine Hausarbeit von mir aus dem Jahr 2013 zum Thema Doping, aus der klar hervorgeht, dass im Leistungssport so gut wie jeder doppt und dass das was wir in der Glotze sehen, nur ein Teil des Wettkampfs ist. Der andere Teil findet im Labor statt.

Doping in der BRD und DDR

Der verdorbene Osten und der jungfräuliche Westen

Wenn man sich bei Doping-Skandalen die festgemachten Verantwortlichen genauer anschaut, stellt man interessante Gesetzmäßigkeiten fest: in der DDR ist immer das „System“ der Verantwortliche und die Sportler selbst haben von Doping nie etwas gewusst. Im Westen dagegen sind die Sportler stets an allem schuld und staatliche Institutionen und Sportfunktionäre wollen nie etwas gewusst haben. So z.B. soll laut der USADA (US-Anti-Doping-Agency) der Lance Armstrong der Anführer der erfolgreichsten und professionellsten Doping-“Verschwörung“ aller Zeiten sein (Tygart, 2012).

Auf der anderen Seite wissen wir heute durch zahlreiche Veröffentlichungen, wie skrupellos der DDR-Staat aus außen- und innenpolitischen Gründen den Medaillen hinterher gejagt hat. Jedoch gibt es Hinweise dafür dass sowohl in der DDR als auch in der westlichen Welt alle Beteiligten involviert waren und dass die BRD und damit wohl der gesamte Westen moralisch gesehen um keinen Deut besser dasteht.

Im Falle der DDR bringt u.a. der Kugelstoßer Udo Beyer, durch sein erst vor wenigen Wochen abgelegtes Geständnis gedopt zu haben, die gängige Beschuldigung – das DDR-System hätte die Sportler ohne deren Wissen gedopt – ins Wackeln. Denn er behauptet in das systematische Doping von Anfang an, involviert gewesen zu sein und die Freiheit und das Recht gehabt zu haben die Entscheidungen, darüber wo er mitmacht und wo nicht, selbst zu treffen. Beigaben ins Tee u.ä. soll es, seiner Aussage nach, nicht gegeben haben (Meyer & Könnicke, 2013). Auch für die Alleinschuld der westlichen Sportler gibt es wie wir in den nächsten beiden Kapitel sehen werden ernstzunehmende Zweifel.

Die Uni Freiburg – eines der top Doping-Zentren der BRD

Nach Vorwürfen der Dopingförderung des, wegen Dopingmißbrauchs in Schlagzeilen geratenen, Radsportteams der Deutschen Telekom durch Sportmediziner der Universität Freiburg, wird 2007 an der Uni Freiburg eine Kommission eingerichtet die die universitäre Forschung der vorhergehenden vier Jahrzehnte untersuchen soll. Medienwirksam verspricht der damaliger Leiter der Universität Wolfgang Jäger eine umfassende und lückenlose Aufklärung aller Hintergründe und Zusammenhänge. 6 Jahre nach Einrichtung der Kommission liegt weder ein Zwischen- noch ein Endbericht der Untersuchungen vor. Nach Vorwürfen der Steuergelder-Verschwendung seitens Leitung der Freiburger Uni-Klinik gegenüber der Leiterin der Kommission, brach diese das bis dahin gewahrte Schweigen und warf in einer Stellungnahme der Uni-Leitung vor, eine formelle Auftragserteilung, wie es die Geschäftsordnung vorschreibt, über zeitlich, personell und inhaltlich uneingeschränkte Ermittlung der Aktivitäten der letzten 50 Jahre der Sportmedizinischen Abteilung nie erteilt bekommen zu haben (Paoli et al, 2013). Ihren Worten zufolge sei 2007 nur eine “Evalierung“ der Abteilung des ehemaligen deutschen Spitzensportmediziners Professor Joseph Keul in Auftrag gegeben worden. Da jedoch der Kommission vollständige Unterlagen der Arbeit des Professors Keul (eine der zentralen Figur des westdeutschen Dopings) erst September 2012 durch die Uni Freiburg überreicht worden sind, wirft die 2009 eingesetzte Leiterin der Kommission, Kriminologie-Professorin und Mafia-Expertin Litizia Paoli, in der Pressemitteilung der Evaluirungskommission (Paoli et al, 2013) der Universitätsleitung systematische Behinderung der Untersuchungen vor. Überdies soll Paoli auch Wissenschaftsministerin Baden-Württembergs Theresia Bauer mehrmals über Behinderung seitens der Uni-Leitung informiert haben, jedoch ohne Wirkung. Dies lässt auf, ein durch alle höheren Kreise gedecktes Doping-System schließen, welches womöglich nicht nur das Radsport mit neuester Doping-Technologie versorgte.

Auch der in diesem Fall gegen zwei Ärzte der Freiburger Uniklinik einst ermittelnder Oberstaatsanwalt Frank bescheinigt: „Ich erlebe hier, dass die Dopingszene exzellent organisiert ist, dass es gelingt, das Schweigen perfekt zu organisieren.“(Hartmann, 2013). Bemerkenswerterweise wurden die Ärzte durch Frank nicht angeklagt.

Alibi-Forschung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB)

Ein weiterer noch brisanterer Fall der Vertuschung von anwendungsorientierter Doping-Forschung durch staatliche Stellen in der BRD, ist das in 2009 gestartete Projekt „Doping in Deutschland von 1950 bis heute (…)“. In dieser Studie belegt die Forschungsgruppe um den Professor Spitzer von der Berliner Humboldt-Universität u.a. dass in der BRD die Anabolika-Forschung zum Zwecke der Leistungssteigerung der Sportler lange Zeit staatlich gebilligt und gefördert wurde (Spitzer & Strang, 2011).

Der Auftraggeber des Projekts: DOSB. Finanziert wurde das Projekt durch das BMI über den BISp. Anlass war der Doping-Skandal um die Uni Freiburg im Jahr 2007, infolgedessen auch DOSB die Vergangenheit des deutschen Sports aufzubereiten begehrte. Mit 500.000€ Förderung sollten innerhalb von 3 Jahren 60 Jahre der deutschen Doping-Geschichte erforscht werden. Damit wurden zwei Forschungsgruppen beauftragt. Eine davon, die Berliner Forschungsgruppe der Humboldt-Universität, verärgerte im September 2011 den Auftraggeber mit dem zweiten Zwischenbericht in dem der DOSB, das Innenministerium, das BISp sowie namentlich genannte Sportfunktionäre, -Wissenschaftler und –Mediziner beschuldigt wurden in den 70ern und 80ern vom systematischen Doping gewusst, ihn toleriert und gefördert zu haben. Zwei Monate später beschäftigte sich der Sportausschuss des Bundestages mit dem Projekt. Das Protokoll der Sitzung ist mit „Nur für den Dienstgebrauch“ gekennzeichnet.

Obwohl die Arbeiten für die Zeitspanne 1990-2007 von der Berliner Forschungsruppe noch nicht erforscht wurden, wurde vom BISp die Finanzierung nicht verlängert.

Neben den finanziellen Problemen hatten die Berliner Forscher auch mit durch den BISp auferlegten juristischen Hürden zu kämpfen: eineinhalb Jahre nach dem Projektbeginn, im Februar 2011 schließen der BISp und die Humboldt-Universität eine sogenannte Auftragsdatenvereinbarung ab. Der Vereinbarung nach dürfen die Forscher keine Informationen veröffentlichen, die vom BISp nicht abgesegnet sind. Des weiteren forderte das BISp (vor dem Sportausschuss vertreten durch Herrn Fischer ) von den Forschern für jeden in der Studie aufgeführten Namen juristisch zu begründen warum dessen Veröffentlichung unerlässlich ist und begründet dies mit der Angst um zahlreiche Unterlassungsklagen (vgl.dazu Kurzprotokoll des 41. Sportausschusses, S. 9).

Auch Akteneinsicht wurde von vielen Stellen verweigert (NADA, Deutscher Schwimmverband, DFB) und es fehlten in einigen Fällen Akten mit sensibler Information des jeweiligen Falls.

Der Zweck heiligt die Mittel

Aus diesen beiden Fällen ist es ersichtlich, dass Sportfunktionäre und Politiker nicht daran interessiert sind, die Mitglieder der Doping-Förderkreise auffliegen zu lassen. Weniger aus dem Grund, dass sie darin höchstwahrscheinlich selbst verwickelt sind, sondern vor allem weil der Kampf um den Sieg bei Internationalen Wettkämpfen, ein Kampf um das Image des Landes ist. Und da viele Länder systematisch Doping anwenden, viel Geld in Doping-Forschung stecken und deren Sportler dadurch kaum zu überführen sind (denn die Doping-Forschung ist der Doping-Fahndung immer einen Schritt voraus), sind die Länder, die keine Doping-Forschung betreiben dadurch massiv im Nachteil. Diese Schlussfolgerung untermauert die Aussage Wolfgang Schäubles (Franke & Ludwig 2007, S. 26) bei einer Anhörung vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages 1977: „Wir wollen diese Mittel nur sehr eingeschränkt und nur unter der absolut verantwortlichen Kontrolle der Sportmediziner einsetzen, weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen heute ohne den Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Weltkonkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann.“ Nach Aussage von Prof. Spitzer (Spitzer & Strang, 2011), war dieses Denken und darauf beruhendes Tun noch vor den Leistungssteigerungen der DDR vorhanden.

Die Lösung des Doping-Problems bei internationalen Wettbewerben besteht jedoch nicht darin beim Dopen vorne mit dabei zu sein sondern – trotz der Gefahr in den Weltranglisten abzurutschen – bei der Bekämpfung des Dopings die Spitzenposition einzunehmen. Denn wie es so schön heißt „Willst du die Welt verändern – verändere dich selbst“.

 

Quellenverzeichnis:

  1. Franke & Ludwig. (2007). Der verratene Sport. Zabert Sandmann Verlag.
  2. Hartmann.(07. 02 2013). Die Doping-Uni vertuscht ihre Doping-Vergangenheit. Von
  3. Zeit-Online: http://www.zeit.de/sport/2013-02/freiburg-uni-klinik-doping-aufarbeitung-paoli abgerufen
  4. Meyer & Könnicke (15. 02 2013). Potsdamer Neueste Nachrichten. Von http://www.pnn.de/regionalsport/723970/ abgerufen
  5. Paoli. (2013). Pressemitteilung: MANIPULIERTER ARBEITSAUFTRAG. DIE EVALUIERUNGSKOMMISSION SIEHT SICH GETÄUSCHT UND HINTERGANGEN. Unabhängige Gutachterkommission zur Evaluierung der Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg.
  6. Spitzer & Strang. (2011). Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation, 2. Zwischenbericht.
    Berlin: BISp, Humboldt-Universität zu Berlin.
  7. Sportausschuss des Deutschen Bundestages, 41. Sitzung (2011). Kurzprotokoll.
  8. Tygart, T. (10. 10 2012). Statement From USADA CEO Travis T. Tygart Regarding The U.S. Postal Service Pro Cycling Team Doping Conspiracy. Von USADA: http://cyclinginvestigation.usada.org/ abgerufen

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