Ausverkauf einer Supermacht. Kurze Geschichte der Privatisierung der Sowjetunion/Russlands

Der venezolanische Sender Telesur erinnert in einem kurzen Beitrag daran, wie die einstige Supermacht durch korrupte Politiker, Oligarchie und den Westen in den Ruin getrieben wurde und beschreibt den dahinter stehenden Mechanismus. Ich habe mir mal die Mühe gemacht den Beitrag zu übersetzen.

Transkription des Videos:
„Vor 25 Jahren löste sich die Sowjetunion auf. Das Land zerbrach in 16 Teile: die Russische Föderation und 15 “unabhängige” Republiken. Ein Wechsel vom Kommunismus zum kapitalistischen Markt fand statt. Was folgte war möglicherweise der größte Ausverkauf der Weltgeschichte. Russland wurde innerhalb von nur wenigen Jahren zergliedert und privatisiert. Das Schema hierfür wurde unter Führung westlicher “Wirtschaftsexperten” entwickelt und erlaubte wenigen Oligarchen das Vermögen und Ressourcen der Sowjetunion für ein Schnäppchen zu erwerben. Währenddessen verfiel die Region in eine wirtschaftliche Depression und Ungleichheit gedeihte. So hat’s funktioniert: am 02. Januar 1992 hob der russische Präsident Boris Jelzin von heute auf Morgen die staatliche Preisbindung bei 90% der Handelsgüter auf und führte ein “Gutschein”-System ein, welches den Bürgern einen Anteil am Vermögen Russlands und staatlichen Betrieben gewährte. ( Anmerkung des Übersetzers: auch im Russischen wurde der Begriff Voucher direkt aus dem Englischen ohne zu übersetzen übernommen)

Diese Voucher wurden eingeführt um eine Konzentration des staatlichen Vermögens in den Händen von Wenigen zu vermeiden. Doch viele Russen waren arm oder wussten einfach nicht wie dieses Voucher-System funktioniert und verkauften deshalb ihre Voucher an Wucherer, die dann mit diesen Vouchern in der Lage waren große Teile der privatisierten Staatsunternehmen zu erwerben. In nur zwei Jahren wurden 15000 Unternehmen mit diesem Voucher-System privatisiert. Um den Prozess zu beschleunigen startete die russische Regierung 1995 das “Anteile gegen Anleihen”-Programm (“loans-for-shares”), welches die größten Rohstoff-Unternehmen Russlands zu einem Schleuderpreis ausverkaufte. Yukos, ein Öl- und Gas-Unternehmen, wurde an Michail Chodorkowski für 310 Millionen US-Dollar oder 6% des tatsächlichen Marktwertes verkauft. (Anmerkung des Übersetzers: nicht nur, dass Chodorkowskij die Firma für einen Schleuderpreis erwarb, musste er auch noch das geförderte Öl und Gas an seine eigene Offshore-Firma zum Selbstkostenpreis verkaufen, von wo aus er die Rohstoffe dann zu normalen Weltmarktpreisen weiter verkaufte und wodurch dem russischen Staat Milliarden an Steuergeldern verloren gingen. Genau dafür wandertete er letztendlich für einige Jahre hinter Gittern)

Sibneft, ein Öl-Unternehmen dessen Marktwert in etwa dem von Yukos entsprach, wurde für 100 Millionen US-Dollar an Boris Beresowski verkauft. Diese Unternehmen wurden per Auktion verscherbelt und zu den Meistbietenden gehörten in der Regel Banken, die wiederum russischen Oligarchen gehörten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die industrielle Produktion fielen 1995 um mehr als 40%. Während die neuen Unternehmenschefs so gut wie einheitlich Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Offshore-Konten betrieben und ihre Arbeiter unterbezahlt waren. Ebenfalls zur selben Zeit bunkerte die russische Bourgeoise 150 Milliarden US-Dollar auf ausländischen Konten und in Form von ausländischen Investitionen und Eigentum. Heute kontrollieren 110 Personen 35% des russischen Vermögens.

Und wer steckte nun hinter diesem Schema? Die Architekten der Privatisierung Russlands wurden zu dieser “Schocktherapie” von Harvard Professor Jeffrey Sachs und seinen Kollegen vom Harvard Institut für internationale Entwicklung ermuntert bzw. dabei beraten. Auch Internationaler Währungsfond (IWF / IMF), Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) waren mit von der Partie.

Ein trauriger aber wichtiger Teil der Geschichte, an den man sich erinnern sollte und welcher sich nicht wiederholen darf.“

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